Vision

Der Verein LIVING FOR FUTURE hat sich zum Ziel gesetzt, Wohnen als aktive Tätigkeit zu praktizieren und gemeinsam neue Formen des Zusammenlebens zu entwickeln. Durch eine klimagerechte Bauweise und ein bewusstes Wohnverhalten, das sich an die Jahreszeiten anpasst, möchten wir einen nachhaltigen Beitrag für die Zukunft leisten. Als Gruppe übernehmen wir gesellschaftspolitisch Verantwortung um mehr zu erzielen als die Verwirklichung individueller Wohnträume. Wir lehnen Spekulation mit Wohnraum ab und möchten mit dem Projekt 1/10/100 dazu beitragen, langfristig günstigen Wohnraum in der Stadt zu schaffen. Das Haus, das wir errichten, ist unverkäuflich und wird im Jahr 2100 mit dem Verein als Mieter von der Stadt Wien übernommen. Wir verstehen uns als Solidargemeinschaft, die Synergien mit der Umgebung eingeht und gemeinsam mit der Nach- barschaft das Alltagsleben vor Ort prägt.

 

Über das Projekt 1/10/100

In zwei Gebäuden zwischen der Hütteldorfer Straße und der Felbigergasse entstehen ca. 11 Wohneinheiten, die sich an die im Lauf der Zeit verändernden Bedürfnisse der Bewohner*innen anpassen lassen. Unbeheizte Wintergärten dienen als Klimaschicht und erweitern saisonal den Wohnraum. Das Projekt 1/10/100 ist in unterschiedlichen Zeitzyklen und Zeithorizonten konzipiert, in denen unsere Leitideen - klimagerechtes Wohnverhalten, angepasste Wohnformate, Gemeinschaft und Gesellschaft - jeweils zum Tragen kommen:

 

1-Jahr-Zyklus

Mit den Jahreszeiten leben: Als Verein für gemeinschaftliches und zukunftsfähiges Wohnen sehen wir ein energie- und ressourcenschonendes Gebäude als wichtige Chance, negative Effekte auf das Klima zu minimieren.

 

10-Jahre-Horizont

Veränderbare Wohneinheiten: Je nach Lebensphase können sich die Anzahl der Personen, die in einem Verbund leben, und somit auch der Bedarf an Wohnraum stark verändern.

 

100-Jahre-Perspektive

Die Vergabe des Grundstücks im Baurecht bis 2100 inspiriert zu folgenden Überlegungen: An welche langfristigen klimatischen Veränderungen werden wir uns angepasst haben? Und: Wie werden wir darin wohnen? Die intensive Auseinandersetzung mit diesen Fragen sehen wir als langfristige Aufgabe des Vereins.

 

 


Klimagerechtes Wohnverhalten

Wir reagieren mit unserem Wohnverhalten aktiv auf die sich verändernden klimatischen Verhältnisse. Dabei planen wir ein Gebäude, das
uns ermöglicht, mit den Jahreszeiten zu leben und den Wohnraum im Kreislauf des Jahres unterschiedlich zu nutzen. Darüber hinaus unterstützen wir uns gegenseitig einen ressourcenschonenden Alltag zu leben (Energieversorgung, Mobilität, Lebensmittel, Müll).

 

Klimaschichten: Das Gebäude ist in Schichten entwickelt, die je nach Jahreszeit mehr oder weniger Raum bieten. Der an den Südfassaden angeordnete unbeheizte Wintergarten bietet als Klimaschicht den Rahmen für ein angepasstes Wohnverhalten. Das Kastenfenster dient hier als gedanklicher Ausgangspunkt: durch sukzessives Öffnen bzw. Schließen der Klimaschicht entstehen unterschiedliche klimatische Bedingungen, die den Außentemperaturen angepasst sind. Die Klimaschicht ermöglicht eine optimale Nutzung der Sonnenenergie in den Übergangsjahreszeiten. Im Sommer ist der Bereich geöffnet und bildet in der Tiefe eine gute Verschattung. Für zusätzliche Verschattung und Kühlung sorgen Begrünung der Loggien und der Dächer.

Der Garten: Zwischen den beiden Gebäudeteilen wird ein Naturgarten einen zen- tralen Bereich des Grundstücks einnehmen. Der Garten spiegelt durch die Veränderungen seiner Vegetation den Zyklus der Jahreszeiten wider und gibt den jeweiligen Rhythmus seiner Nutzung vor. Übergänge von Innen- zu Außenraum werden fließend gedacht, der Garten wird als erweiterter Wohnraum genutzt. Positiv zum Stadtklima beitragen: Auch im 10-Jahre-Horizont ist uns ein an natürliche Phänomene angepasstes Leben wichtig. Der Garten wird nur minimal versiegelt, Bäume tragen dazu bei, auch mittelfristig positiv auf das Stadtklima einzuwirken.

Energiekonzept: Die Baukörper weisen bauphysikalisch eine maximale Robustheit auf: Mit der Kombination aus Kompaktheit, wirksamen Speichermassen, hochwertigem Wärmeschutz, Eigenbeschattung und optimierter Anordnung der Fenster wird der verbleibende gebäudetechnische Aufwand auf ein Minimum reduziert. Das Energiekonzept setzt auf Erdwärmenutzung mittels Tiefensonde und Wärmepumpe in Kombination mit Bauteilaktivierung zur Heizung und Kühlung.

Lüften – Heizen – Kühlen: Die individuelle Lüftung erfolgt über funktional angeordnete, manuell offenbaren Fenster. In der kalten Jahreszeit unterstützt die Klimaschicht einen energiesparenden Luftwechsel durch die leicht vortemperierte Zuluft. Für ein gutes Raumklima sorgt die Aktivierung der Gebäudedecken, welche sowohl heizen als auch kühlen können.

Ökologische Wärme- und Kältebereitstellung: Die Wärmebereitstellung erfolgt durch eine mit Erdsonden verbundene Wärmepumpe. Sommerliche Kühlung wird klimaneutral angeboten. Der zur Erdreichregeneration eingesetzte Luftwärmetauscher kühlt als Nebeneffekt die Außenluft geringfügig ab.

Nachhaltiger Materialeinsatz: Wir wollen nachhaltige Materialien verwenden und deren unterschiedliche Lebensdauer berücksichtigen. Schnell nachwachsende, organische Materialien werden die dauerhaft robuste Struktur ergänzen und im 10-Jahre-Horizont – auch unter Mitarbeit der Bewohner*innen – instandgehalten bzw. erneuert werden.

 

Gemeinsam ein Haus bewohnen

Das Modell der Baugruppe ermöglicht uns, über die individuelle Wohneinheit hinaus zu denken, das Wohnhaus in seiner Gesamtheit zu betrachten und somit Wohneinheiten in ihrer Größe veränderbar zu gestalten. Die Grundrisse sind so konzipiert, dass sie eine weitgehende Anpassung der Wohnsituation an jeweilige momentane oder zukünftige Bedürfnisse ermöglichen.

 

Gemeinschaft und Gesellschaft

Wir begreifen Wohnen als aktive Tätigkeit, die nicht nur nach Innen wirkt, sondern sich auch über das Hausleben hinaus in die Nachbarschaft erstreckt und gemeinschaftlich Synergien bildet. Teil des Projekts ist es, Ressourcen zu teilen und zur Verfügung zu stellen, Raum gemeinsam zu nutzen, soziale, nachbarschaftliche Projekte zu unterstützen (etwa Tauschzentralen oder Reparaturwerkstätten) und eine laufende Reflexion über Ziele und Handlungsmöglichkeiten zu führen. Durch diese Herangehensweise wollen wir nachhaltige Kompliz*innenschaften mit der Nachbarschaft bilden und langfristig in die Gesellschaft wirken. Als gemeinschaftlich genutzte Räume schaffen wir einen Gemeinschaftsraum mit Patio (3/4), ein Gästezimmer (5), einen Mobilitätspunkt mit Werkstatt und Waschküche (1) sowie eine Dachterrasse an der Hütteldorferstraße.

Eine Wohneinheit wird stets als Solidaritätswohnung gewidmet sein, die Menschen mit geringen finanziellen Mitteln zur Verfügung stehen wird oder der dauerhaften Unterstützung eines externen solidarischen Projekts dient. Die Hälfte der Mietkosten wird vom Verein "Living for Future" übernommen. Das Modell ist flexibel gedacht und wird über die Jahre weiterentwickelt. Zu Beginn planen wir die Vermietung der Wohnung gemeinsam mit einem Trägerverein.

Nachbar*innen sollen die Möglichkeit haben, Gemeinschaftsraum und Gemeinschaftsgarten zu nutzen. Eine Food Coop und ein Generationencafé leisten einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung mit der Nachbarschaft. Darüber hinaus organisieren wir eine öffentliche Sitzgelegenheit als konsumfreie Zone vor dem Haus, ergänzt durch einen „offenen Bücherschrank“. Für weitere Aktivitäten möchten wir eine leerstehende Räumlichkeit in der näheren Umgebung anmieten.

 

Kulturelle Nahversorgung

Bereits während der Bauphase werden Konzepte zur Miteinbeziehung der Nachbarschaft erarbeitet und umgesetzt. Durch eine temporäre Aktivierung eines leerstehenden Ladenlokals an der Hütteldorferstraße möchten wir noch vor der Fertigstellung des Wohnprojekts mit kulturellen Veranstaltungen Impulse im Grätzl setzen. Wir wollen mit partizipativen Initiativen und Interventionen die Nachbarschaft aktiv ansprechen und in einen Prozess zur Entwicklung nachhaltiger Ideen für das Grätzl einbinden.

 

Organisationsstruktur und Rechtsform

Wir lehnen Spekulation mit Wohnraum ab, möchten für kommende Generationen bezahlbaren Wohnraum in der Stadt sichern und für die nächsten 80 Jahre das Haus dem Immoblienmarkt entziehen. Dazu haben wir uns dem Dachverband habiTAT angeschlossen, dem Mietshäusersyndikates Österreichs.

Im habiTAT-Modell liegt der Eigentumstitel bei einer Hausbesitz-GmbH. Gesellschafter*innen dieser GmbH sind der Hausverein LIVING FOR FUTURE mit 51% und der Solidarverbund des habiTAT mit 49%. Der Verein LIVING FOR FUTURE setzt sich aus Mieter*innen zusammen und stellt die Geschäftsführung sowie die Hausverwaltung und entscheidet selbstverwaltet über alle Belange des täglichen Zusammenlebens. Das habiTAT besitzt ein Vetorecht gegen den Verkauf des Hauses und dient damit als Wächterorganisation, um Spekulation zu verhindern.

 

Baurecht

Das Grundstück wird von der Stadt Wien im Baurecht an die Hausbesitz-GmbH vergeben. Wir können dieses bis zum Jahr 2100 nutzen und zahlen an die Stadt Wien jährlich einen Baurechtszins. Die Hausbesitz-GmbH errichtet das Gebäude und ist Eigentümer*in bis zum Ablauf des Baurechtes 2100. Die GmbH übernimmt die Bauherrenschaft und Bauabwicklung, den Betrieb übernimmt der Verein. Dazu mietet der Verein LIVING FOR FUTURE das Gebäude von der Hausbesitz GmbH und betreibt ein Heim. Die Heimplätze werden über Nut-zungsverträge an die ordentlichen Mitglieder des Vereins vergeben. Bis 2100 ergeht der Baurechtszins an die Stadt Wien. Danach gehen Grundstück und Haus mit dem Verein als Mieter an die Stadt Wien zurück.

 

Wer sind wir?

Unsere Gruppe entstand aus einem Zusammenschluss von Menschen, die überwiegend im kreativen Bereich arbeiten (Film, Architektur, Kunst, Urbanismus, Kulturvermittlung) und hat sich im Laufe des letzten Jahres in verschiedene Richtungen erweitert. Entscheidungsfindungen passieren bei uns auf der Basis soziokratischer Prozesse. Uns verbindet Enthusiasmus, Commitment zu unseren Grundsätzen, und vor allem die Überzeugung, dass wir Dinge selbst in die Hand nehmen und gemeins- am ausprobieren müssen, um Veränderungen zu erwirken.

 

 

Partner*innen

Architektur: schmidt-colinet • schmoeger

Dachverband: habiTAT

Landschaftsarchitektur: Auböck+Kárász Landscape Architects

Energie: Energie: IPJ - Ingenieurbüro P.Jung GmbH

Wir arbeiten mit der Expertise von: Steuerberatung Steirer Mika und Co.